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Es sollte das Feelgood-Länderspiel nach der famosen Weltmeisterschaft werden, doch es endete in einem Debakel. Am Sonntag geht es in der EM-Qualifikation um Zählbares.

Debakel mag ein großes Wort für eine Begegnung unter freundschaftlichen Bedingungen sein, selbst wenn es dabei eine klare Niederlage gegeben hat. Deutschlands 2:4 gegen Argentinien offenbarte allerdings einige Risse in der Bindung zwischen Zuschauern und Mannschaft. Wieder einmal wurde Mario Gomez, bei der WM nicht dabei, zur Zielscheibe des Volkszorns. Mehrere vergebene Chancen, ein unglücklicher Auftritt, keine Frage, doch selbst Bundestrainer Joachim Löw sah sich veranlasst, das Verhalten des Publikums zu kritisieren. Es ginge nicht, dass ein Spieler der Nationalmannschaft ausgepfiffen werde, erklärte der Coach.

Kritik am Publikum

Selbstredend war Gomez nicht verantwortlich für die Pleite in der Neuauflage des Endspiels von Rio. Eine derartige Konstellation ist mehr als ungewöhnlich, dass das größte aller Fußballspiele nur wenige Wochen später erneut ausgetragen wird. Lionel Messi sagte wegen einer nebulösen Adduktorenverletzung ab. Auch das hatte die Vorfreude manches Besuchers des Stadions von Fortuna Düsseldorf gemindert – und dann folgte ein 2:4, bei dem André Schürrle und Mario Götze, die kongenialen Produzenten des Tors im Maracana, immerhin Ergebniskosmetik betreiben konnte. 0:4 hatte es sogar schon gestanden, wobei Angel di Maria bei der Premiere des neuen Nationaltrainers Gerardo „Tata“ Martino der überragende Mann war. Drei Tore bereitete der sagenhaft teure Neuzugang von Manchester United vor. Im Finale der WM hatte er verletzungsbedingt gefehlt.

EM verwässert

Nach dem Showspiel von Düsseldorf, welches die Fans mit einer großen „Weltmeister“-Choreografie eingeleitet hatten, wird es nun aber ernst – wenn man dies bei der aufgeblähten EM-Qualifikation überhaupt so formulieren darf. 24 Mannschaften werden 2016 an der Endrunde in Frankreich teilnehmen, eine Nichtqualifikation der DFB-Truppe ist quasi ausgeschlossen. Schottland heißt der erste Gegner am Sonntagabend in Dortmund. Schalkes Julian Draxler verletzte sich im Argentinien-Spiel, für ihn wurde Vereinskollege Sidney Sam nachnominiert.

Sonntagabend? Mit Beginn der aktuellen Qualirunde hat der europäische Fußballverband ein neues Format eingeführt. In der so genannten „Woche des Fußballs“ wird der Spielplan über mehrere Tage erstreckt, was bessere TV-Präsenz und damit eine bessere Vermarktung der Partien ermöglichen soll. Ob eine Verwässerung der Endrunde zur Optimierung der EURO wirklich beiträgt, inklusive des komplizierten, früher bei Weltmeisterschaften angewendeten Modus mit dem Weiterkommen der besten Gruppendritten, sei mal dahingestellt.

Jedenfalls ist der kommende Sonntag der erste von drei Terminen am ersten Quali-Spieltag. Am Montag und Dienstag geht es weiter, ehe die Nationalspieler wieder zu ihren Klubs reisen. EM-Gastgeber Frankreich wurde der Gruppe I zugeordnet, der einzigen Fünfergruppe, und bestreitet Freundschaftsspiele gegen die jeweils spielfreie Mannschaft. UEFA-Chef Michel Platini wird sich schon etwas dabei gedacht haben.