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Nichts geht mehr in Hamburg für Mirko Slomka. Der HSV-Trainer wurde entlassen. In Dortmund und München feiern sie indes ihre zurückgekehrten Helden.

Wohl kaum jemanden, der das 0:2 des Hamburger SV in Hannover verfolgt hat, plagten noch Zweifel: Mirko Slomkas Zeit als Trainer der Hanseaten war abgelaufen. Sein HSV zeigte sich völlig hilf- und chancenlos, aller teurer Neuzugänge wie Cleber, Nicolai Müller oder Lewis Holtby zum Trotz. Am Montag folgte die offizielle Bestätigung. Die Entlassung des Trainers, die erste in der aktuellen Bundesliga-Spielzeit, wird die Hamburger noch eine hohe Abfindungssumme kosten. Bezeichnenderweise fand die Unterredung zwischen Vorstand und Aufsichtsrat in einer Immobilie des mächtigen wie redefreudigen Investors Kühne statt.

Schwarz-gelber Kagawa-Rausch

Mit Abstand rangiert das in der Vorsaison mit Mühe und Not nicht abgestiegene Gründungsmitglied der Bundesliga auf Platz eins der Unprofessionalismus-Tabelle. Nahezu jede interne Entscheidung wird an die Presse lanciert, in keinem anderen Klub fühlen sich mehr Verantwortliche, wenn man sie so nennen darf, dazu berufen, politische wie sportliche Themen öffentlich zu kommentieren. Ein Hohn, dass die Befürworter der Umwandlung der Struktur aus einem e. V. in eine AG lautstark proklamierten, diese sei der einzige Weg hin zur besseren Organisation und damit zu mehr Erfolg. Zurzeit gibt der Klub mit der Raute schlicht ein Bild des Jammers ab. In der Vorstandsetage und auf dem Rasen. Null Tore und ein Punkt nach drei Spielen sind die Quittung. U23-Trainer Josef Zinnbauer übernimmt – vorerst.

In völlig anderen Sphären bewegen sich bekanntlich Borussia Dortmund und Bayern München. Nach einem Mini-Fehlstart mit einem verdienten 0:2 gegen Bayer Leverkusen wurden die Borussen in den folgenden Auftritten in Augsburg (3:2) und gegen Freiburg (3:1) ihrer Favoritenrolle gerecht. Das blanke Ergebnis überstrahlt hat am Wochenende selbstredend die Rückkehr von Shinji Kagawa. Passenderweise garnierte das japanische Publikumsidol sein Comeback im gelben Trikot (nun mit der 7 auf dem Rücken) mit einem Tor, ehe er im zweiten Durchgang völlig erschöpft und unter tosendem Applaus ausgewechselt wurde. BVB-Trainer Jürgen Klopp bekannte sich zu seiner Gänsehaut bei den Gesängen der Südtribüne.

Keller wie Slomka?

Ähnliche Partyatmosphäre herrschte auch in der Allianz-Arena nach Franck Ribérys Treffer gegen den VfB Stuttgart. Nachdem der Franzose die WM wegen einer Verletzung verpasst hatte, kehrte er nun endlich ins Tagesgeschäft zurück. Unstimmigkeiten gibt es freilich in seiner Heimat. UEFA-Präsident Michel Platini, ein Landsmann, will Ribéry den Rücktritt aus der Equipe Tricolore quasi verbieten, wenngleich ihm überhaupt keine Befugnisse dafür vorliegen. Maximal die FIFA kann Angelegenheiten der Nationalmannschaften beeinflussen, doch auch sie besitzt keine Mittel gegen einen Rücktritt. Kein Spieler kann gezwungen werden, für sein Land aufzulaufen. Immerhin stand Platini einmal mehr mit einer provokanten Ausgabe in den Medien.

Für Ribéry und Kagawa beginnt in dieser Woche zudem der Ernst des europäischen Klub-Fußballs. Bayern eröffnet seine Champions-League-Saison gegen Manchester City, Borussia Dortmund gegen Arsenal – zweimal gibt es ein Déjà-vu, schließlich fanden beide deutsch-englischen Vergleiche auch im vergangenen CL-Jahr statt. Das in der Bundesliga famos auftrumpfende Bayer Leverkusen reist nach Monaco, während die krisengebeutelten Schalker an der Londoner Stamford Bridge gegen Chelsea vermutlich um Schadensbegrenzung bemüht sind. Eine weitere Pleite wie in der Bundesliga beim 1:4 in Mönchengladbach (zweimal traf Einmal-Nationalspieler Andre Hahn, einmal Comebacker Max Kruse) dürfte für Trainer Jens Keller ein Slomka-ähnliches Schicksal einleiten.