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Vor den Halbfinals gegen Kaiserslautern und Real Madrid hängt in München der Haussegen schief. Zumindest ein bisschen.

Die Meisterschaft schon lange gesichert, das glamouröse Halbfinale in der Champions League gegen Real Madrid vor der Brust (23./29. April) und am Mittwoch mit Zweitligist Kaiserslautern ein zumindest auf dem Papier unproblematischer Kontrahent im DFB-Pokalhalbfinale. Eigentlich müsste die Stimmung beim FC Bayern München blendend sein. Ist sie aber nicht – die Verantwortung hierfür trägt Trainer Pep Guardiola, was er auch öffentlich zugegeben hat.

Tabellarisch hatte der Vergleich mit dem nationalen Hauptkonkurrenten Borussia Dortmund keine Bedeutung. Dennoch tat den Bayern das 0:3 mehr weh als man vermuten könnte. Der BVB agierte taktisch nahezu perfekt, nahm den Gastgebern die Luft zum Atmen und verwertete – anders als noch beim unglücklichen CL-Aus gegen Real Madrid – seine Großchancen. Henrikh Mkhitaryan stach heraus, traf einmal und war der Mann des frühen Samstagabends. Unter der Woche hatte der Armenier gegen die „Königlichen“ noch mehrere sehr gute Gelegenheiten ungenutzt gelassen.

Top-Elf außer Form

Anders als beim 0:1 in Augsburg bot Guardiola gegen Dortmund eine Top-Elf auf. Doch kein einziger Spieler, weder die Flügelzange Franck Ribéry und Arjen Robben, weder Ex-Borusse Mario Götze noch Stürmer Mario Mandzukic fanden zur Normalform. Ihr spanischer Coach hatte aus der Bundesliga die Luft herausgelassen, den Wettbewerb für zu den Akten gelegt erklärt und damit die Atmosphäre im Kader gefährlich verschlechtert. Selbst das Weiterkommen im Europapokal gegen das in dieser Saison so biedere Manchester United sah klarer aus als es war. Beim 3:1 am Mittwoch brillierte Robben, ansonsten tat sich der FCB lange schwer mit den auf Abwehrarbeit fixierten Briten.

Ausgerechnet in der entscheidenden Phase der Saison scheint den Münchnern ihr Esprit abhanden gekommen zu sein. Spieler wie Thomas Müller oder Toni Kroos beklagten genauso wie Sportdirektor Matthias Sammer die brenzlige Entwicklung. Ohne den Einzug ins Endspiel der Champions League wird an der Säbener Straße trotz aller Rekorde und Siegesserien in der Bundesliga kaum ein Sektkorken knallen. Und Real Madrid ist ein wesentlich anderes Kaliber als ManU. Schon gegen die TSG Hoffenheim kassierte der Rekordmeister zu Hause drei Gegentore (Endstand 3:3). Beim 0:1 in Augsburg verwunderte Guardiola mit dem Einsatz dreier Regionalligaspieler.

Eiszeit mit BVB-Bossen

Auch abseits der Umkleidekabine kippte zuletzt die Stimmung. Vor dem Gipfeltreffen mit Dortmund sagte deren Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke das traditionelle Vorstandsessen ab. Grund hierfür waren Aussagen von Karl Hopfner, dem Nachfolger von Uli Hoeneß als Bayern-Präsident. Hopfner hatte Watzke bezichtigt, die Unwahrheit über einen Zwei-Millionen-Kredit gesagt zu haben, den der FCB dem einst klammen BVB gewährt hatte. Der Borussen-Boss pocht nun auf eine persönliche Entschuldigung. In der Allianz-Arena zeigte sich Watzke betont knapp angebunden, schüttelte nur kurz seinem Amtskollegen Karl-Heinz Rummenigge die Hand und entschwand noch vor dem Abpfiff in die Dortmunder Kabine.

Seine Premiere feierte derweil Lukas Raeder. Der 20-jährige Torwart kam in der Halbzeit für Manuel Neuer ins Spiel, der mit Wadenproblemen draußen bleiben musste. Da auch die etatmäßige Nummer zwei Tom Starke mit einer Ellbogenverletzung ausfiel, schlug die Stunde Raeders