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Die meisten Beteiligten sind ratlos. Das Reglement sorgt für viele Handelfmeter, die Diskussionen hören nicht auf. In der Münchner Allianz-Arena gab es zwei bemerkenswerte Spiele innerhalb von zwei Tagen.

Hand oder nicht Hand? So lautete am vergangenen Bundesliga-Wochenende eine zentrale Frage. Exemplarisch für das momentan herrschende Wirrwarr war die Begegnung zwischen Hannover 96 und dem FC Augsburg. Schiedsrichter Christian Dingert sprach beiden Mannschaften jeweils einen Handelfmeter zu, verweigerte Hannover allerdings einen weiteren, der sich in seiner Entstehung nicht allzu deutlich von den beiden anderen unterschied. Spieler, Unparteiische, Fans und Journalisten sind gleichermaßen verwirrt. So beschrieb die Frankfurter Allgemeine Zeitung den entscheidenden Elfmeter für 96 (der kurz vor Schluss den 2:1-Sieg einbrachte) komplett falsch, Schiri-Boss Herbert Fandel nahm unaufgefordert Partei für seinen Schützling Dingert, während der Hannoversche Torwart Ron-Robert Zieler zugab, nicht mehr zu wissen, wann ein strafbares Handspiel vorläge und wann eben nicht.

Wann ist Hand Hand?

Die Zahl der Handelfmeter ist in dieser Saison dramatisch gestiegen. Vor allem der Passus aus dem Reglement, wonach ein Spieler durch seine Hände die „Körperfläche vergrößere“, irritiert weitgehend alle Beobachter. Bemerkenswert: trotz gleichlautenden FIFA-Regelwerks wurden in England oder Spanien bei Weitem nicht so viele Strafstöße gepfiffen wie in der Bundesliga. Liegt es also doch an den Schiedsrichtern und ihrer Wahrnehmung? Werder Bremens Trainer Robin Dutt überraschte mit einem kühnen, womöglich humoristisch gefärbten Vorschlag: Hand sei Hand, also Elfmeter im Strafraum, wann immer es ein Spieler schaffe, seinem Gegenüber den Ball an die Hand zu schießen.

Ohne Elfmeter kam am gestrigen Mittwoch jedenfalls Bayern München aus. Gegen Hannover 96 setzte sich das Team von Pep Guardiola relativ locker mit 4:1 in der zweiten Runde des DFB-Pokals durch. Trotz einer minimalen Schwächephase zum Ende der ersten Halbzeit und trotz des Bankdaseins der Superstars Franck Ribéry und Arjen Robben (zumindest der Franzose wurde noch eingewechselt) ließ der Titelverteidiger in der heimischen Arena keinen Zweifel am Sieg aufkommen. Thomas Müller traf doppelt und schraubte seine Bilanz in diesem Wettbewerb auf famose 15 Tore und neun Torvorlage in 24 Pokalbegegnungen.

Allianz-Arena: Tickets an der Kasse

Rare Szenen spielten sich indes an den Kassen ab. Ausnahmsweise war das Stadion des FCB nicht ausverkauft, es wurden noch regulär Tickets fast aller Kategorien am Spieltag verkauft. „Nur“ 66.000 Zuschauer waren beim Duell gegen 96 dabei. 5000 Fans mehr wollten hingegen den Pokalknaller des Stadtrivalen TSV 1860 gegen Borussia Dortmund live verfolgen. Damit war die Allianz-Arena voll, was natürlich auch an der fünfstelligen Anzahl BVB-Fans lag, die nach München gereist waren. Dass parallel das Oktoberfest stattfand, wirkte sich auf die Motivation der schwarz-gelben Gemeinde sicher nicht negativ aus.

Jürgen Klopps Elf dominierte die Partie zwar eindeutig. 77% Ballbesitz, 39:2 Torschüsse und vier Pfosten- oder Lattentreffer sprechen eine klare Sprache. Nichtsdestotrotz schaffte es das vom neuen Trainer Friedhelm Funkel überaus defensiv eingestellte Löwen-Team, den Champions-League-Finalisten in die Verlängerung zu nötigen. Dort machten Pierre-Emerick Aubameyang per Strafstoß sowie Henrikh Mkhitaryan nach einem perfekt gespielten Konter den 2:0-Erfolg für die Borussia klar. Nach den 120 Minuten, in denen Klopp übrigens dem Schiedsrichtergespann gegenüber unauffällig blieb, bat der Dortmunder Trainer gar 1860-Stürmer um sein exklusives Trikot in Wiesn-Optik. Er sei der einzige mit der etwa gleichen Konfektionsgröße, erklärte der BVB-Coach.