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Die perfekte Fußballstory wurde am Samstagabend in Dortmund geschrieben. Trotz des 3:0-Triumphs plagt den FC Bayern eine Sorge. Es geht um einen so genannten Maulwurf.

Er wollte nicht jubeln, hob fast entschuldigend die Arme. Hätte Mario Götze in der Folge trotzdem die Freude über seinen Treffer zum 0:1 am Samstagabend offenbart, so hätte es niemand sehen können. Bayern Münchens teurer Neuzugang wurde von einer Masse an Mitspielern umarmt und geherzt, geradezu begraben in der Jubeltraube. Um ihn vor weiteren Anfeindungen des Dortmunder Publikums zu schützen, beorderte Pep Guardiola Götze zum Warmmachen in die Stadionkatakomben. Andernfalls hätte er sich direkt vor der Südtribüne auf seine Einwechselung vorbereiten müssen, was vermutlich nicht in einem zivilisierten Rahmen abgelaufen wäre.

In der 56. Minute betrat der Offensivkönner erstmals nach seinem mit viel Trubel behafteten Transfer aus Dortmund nach München den Rasen des Ex-Arbeitgebers. Zehn Minuten später erzielte er das 1:0 für die Bayern, die perfekte Fußballstory war geschrieben. Götzes persönlicher Ausrüster Nike reagierte umgehend mit prominent platzierten Werbeanzeigen. Bei seiner offiziellen Vorstellung beim FC Bayern war der eloquente wie selbstsichere Nobeltechniker einst mit einem T-Shirt des amerikanischen Herstellers erschienen. Sehr zum Unmut der Münchner Verantwortlichen, die Nike-Konkurrent adidas nicht nur als Ausrüster, sondern auch als Gesellschafter der AG schätzen.

„Cooler Move“

Auf Plakaten und verbal mit hasserfüllten Sprechchören hatten Teile des schwarz-gelben Publikums die Rückkehr des früheren Lieblings kommentiert. Zu einem echten Darling ist Götze in München noch nicht geworden, sein Tor im Spitzenduell wird aber die Integration in das FCB-Universum aber gewiss beschleunigen. Als „coolen Move“ wertete Borussen-Trainer Jürgen Klopp die Hereinnahme Götzes für den eigentlichen Stürmer Mario Mandzukic.

Guardiola wechselte überdies auch den wieder genesenen Thiago für den gelb-rot-gefährdeten Jerome Boateng ein (64. Minute). 120 Sekunden später sollte das 1:0 fallen. Arjen Robbens 2:0 für Bayern in der 85. Minute war die finale Entscheidung, Thomas Müllers 3:0 zwei Minuten danach nur noch etwas für die Statistik. Insgesamt fiel das Resultat zu hoch aus, der BVB war alles andere als schwach. Robert Lewandowski und Marco Reus ließen jedoch vor dem Seitenwechsel aussichtsreiche Torchancen ungenutzt.

Friedrich ins kalte Wasser

Freuen durften sich die BVB-Fans immerhin über die Rückkehr des lange verletzten Lukasz Piszczek. Der Pole wurde in der 79. Minute für Sven Bender eingewechselt. Die mangelnde Spielpraxis war indes in einigen Szenen Manuel Friedrich anzumerken. Der kurzfristig aus der Arbeitslosigkeit verpflichtete Defensivmann wurde sofort ins kalte Wasser geworfen, da mit Mats Hummels (knöcherner Bandausriss) und Neven Subotic (Kreuzbandriss) beide etatmäßigen zentralen Innenverteidiger draußen saßen. Bis zum Sommer hatte Friedrich für Bayer Leverkusen gespielt.

Dank des Triumphs hat der FC Bayern seinen einstmals ärgsten Mitbewerber vorerst deutlich distanziert. Sieben Punkte beträgt der tabellarische Vorsprung der Süddeutschen, nun firmiert der neue Tabellenzweite, Friedrichs Ex-Verein Leverkusen, zumindest im Klassement als Bayern-Rivale Nummer eins. Eigentlich könnte in München eitel Sonnenschein herrschen. Wäre da nicht der so genannte „Maulwurf“. Mindestens ein Spieler scheint eine besonders intensive Beziehung zu den Reportern des Axel-Springer-Verlags zu unterhalten. Am Spieltag hatte die „Bild“-Zeitung sowohl die exakte Taktik als auch die Aufstellung der Bayern veröffentlicht. Trainer Guardiola reagierte ungehalten und drohte dem Informanten im Einklang mit dem Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge, nach erfolgter Enttarnung nie wieder das FCB-Trikot anziehen zu dürfen.